Kommunalpolitik

letzte Änderung am 06.12.2019

"Das Blaue vom Himmel versprochen"

Zweifel an Seriosität des Investors bei Pfungstädter
aus Hessenschau: veröffentlicht am 05.12.19 um 13:37 Uhr
Sitzt das kriselnde Traditionsunternehmen Pfungstädter mit seinen Plänen für "die modernste Brauerei der Welt" einem Betrüger auf? Am vorgestellten Investor gibt es arge Zweifel - doch ohne ihn droht dem Betrieb womöglich das Aus.
Seit Bekanntwerden der Pläne für einen Neubau der Pfungstädter-Brauerei auf dem Gelände des stillgelegten Schwimmbads und für ein Wohnquartier auf dem bisherigen Brauerei-Areal mehren sich die Zweifel an der Seriosität des präsentierten Investors. Richard Kramer, Vorsitzender der Unabhängigen Bürger Pfungstadt (UBP), der zweitgrößten Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, war bei der Vorstellung der geplanten Großinvestition in der vergangenen Woche dabei. Seinen Eindruck fasst er auf Anfrage von hessenschau.de so zusammen: "Der verspricht einem das Blaue vom Himmel herunter."
Nicht allein, dass der Geschäftsmann aus dem Rhein-Main-Gebiet (Name der Redaktion bekannt) der seit Jahren unter rapide sinkendem Bierabsatz leidenden Brauerei das Betriebsgelände im Stadtzentrum abkaufen möchte und im Naherholungsgebiet eine hochmoderne neue Brauerei mit Erlebnisgastronomie errichten und somit bis zu 100 Arbeitsplätze erhalten wolle. "Er sagte auch noch, er spendiere der Feuerwehr ein neues Fahrzeug mit Drehleiter und gebe dem Dachverband Schwimmen einen Zuschuss von 500.000 Euro", berichtet Kramer.

Am 16. Dezember sollen die Stadtverordneten entscheidenDer Dachverband Schwimmen bemüht sich seit Jahren, das brachliegende Schwimmbad zu reaktivieren, und müsste bei einem erfolgreichen Deal mit dem Investor plötzlich für ein anderes Areal planen. Hauptsächlich aus diesem Grund wenden sich die Grünen vom Ortsverband Pfungstadt gegen die Pläne von Bürgermeister und Investor. "Es gibt doch freie Flächen im Gewerbegebiet Nordwest, aber es hieß, der Investor bestehe auf dem Schwimmbadgelände", sagt der örtliche Grünenpolitiker Klaus Marake. Ein Brauereineubau am idyllischen Waldrand bringe aber zu viele ökologische Probleme mit sich.

Was den in Aussicht stehenden Investor angehe, seien auch die Grünen skeptisch - jedoch gemeinsam mit den UBP in der Stadtverordnetenversammlung in der Minderheit. Marake berichtet von der Sitzung des Planungsausschusses am Dienstagabend, wo Kritik an der Wahl des geplanten Geldgebers und am engen Zeitplan geäußert worden sei. Bereits am 16. Dezember sollen die Stadtverordneten ein Eckpunktepapier beschließen, auf dessen Grundlage die Brauerei und die Stadt konkret in die Detailplanungen gehen könnten. Wie man hört, drückt die Brauerei wegen der finanziellen Schieflage aufs Tempo.

"Was passiert, wenn der Investor nur die Rücklagen einsackt?"Der ehrenamtliche Stadtrat Horst Knell (UBP) war ebenfalls bei der Präsentation der Pläne zugegen und meint: "Ein seriöser Investor würde niemals solche Aussagen wie die mit dem Feuerwehrauto und dem Schwimmverband machen." Er habe viel über den Investor recherchiert, sagt Knell: Vor einigen Jahren habe ein Gericht in Salzburg den Mann wegen Betrugs und Untreue zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, aktuell laufe in München ein Verfahren gegen ihn.

Knell arbeitete früher für die WestLB, die Landesbank in Nordrhein-Westfalen. Seine Sorge: "Die Pfungstädter-Brauerei hat nach eigenen Angaben eine Liquiditätsreserve für einige Monate. Doch was passiert, wenn der Investor nach seinem Einstieg diese Rücklage einsackt und nach einer eventuellen Insolvenz für einen Sozialplan für die Beschäftigten kein Geld mehr da ist?" Alle Beteiligten müssten in jedem Fall für die Beschäftigten Sorge tragen.

Eine Agentur suchte den Investor aus
Über Gerichtsverfahren wegen unrechtmäßig abgezweigter Millionen von Firmenkonten, über mehrere insolvent gegangene Firmen und geplatzte Großprojekte berichteten das Darmstädter Echo (hinter Bezahlschranke) und die Rhein-Neckar-Zeitung.

Der Vorsitzende der stärksten Fraktion im Stadtparlament, Swen Klingelhöfer von der SPD, hegt trotz des üblen Leumunds des Investors "die große Erwartung auf ein tolles Projekt hier in Pfungstadt". Freilich müsse die Stadt im Eckpunktepapier sicherstellen, dass das Schwimmbadgrundstück, das sie im Falle eines Neubaus der Brauerei verkaufen würde, an die Kommune zurückfällt, falls der Deal doch platzt. Der Bürgermeister hat zugesichert, dass dies passieren werde.
Alles andere, so Klingelhöfer, sei Sache der Geschäftsführung von Pfungstädter, die ja eigens eine auf Investorensuchen spezialisierte Agentur in Mannheim beauftragt habe: "Die hat ja sicher ihr Prüfraster." Nur verrät die M&A-Agentur Imap dazu nichts: Eine Sprecherin sagt, man habe der Brauerei wie jedem anderen Kunden Vertraulichkeit zugesagt.

"Diese eine Chance müssen wir nutzen"
Der nun präsentierte Investor sei nicht der erste Interessent am Brauerei-Gelände, aber der erste, der der Stadt alle drei genannten Stadtentwicklungsziele ermöglichen wolle, berichtet CDU-Fraktionschef Eberhard Klüber: "Andere wollten sich das Areal sichern und die Brauerei schließen oder nur als kleine Hausbrauerei fortführen." Ob der Mann seriös sei, könne er nicht beurteilen. Doch: "Diese eine Chance gibt es jetzt, und die müssen wir nutzen, sonst ist die Brauerei futsch", sagt Klüber.

Bürgermeister Koch hat den Plan mit dem Investor bereits als alternativlos bezeichnet. Er setzt auf die Zustimmung der Stadtverordneten. "Wer dagegen stimmt, ist gegen die Brauerei", sagt er. Platz für ein Schwimmbad gebe es auch woanders.

Vom Investor hört man zu all dem nichts. Seine aktuellen Firmen, beide mit Sitz in München, werden im Handelsregister geführt, Internetseiten oder Telefonnummern dazu gibt es nicht. Mal wird der Wohnort des Investors mit Bad Homburg, mal mit Frankfurt, mal mit Hanau, mal mit einem Ort im Salzburger Land angegeben. Die Telefonanschlüsse eines früheren Geschäftspartners sind abgeschaltet.
Pfungstadts Bürgermeister Koch gibt sich trotzdem zuversichtlich. Die Stadt habe Vertrauen in den Investor, sagt er.



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Sehenswerter Bericht über die Brauereipläne in Pfungstadt

In der gestrigen Hessenschau wurde über die Pläne berichtet, die Brauerei auf das ehemalige Schwimmbadgelände zu verlegen.
Trotz vieler Bedenken gegen die Seriosität des Investors, scheinen die Stadtverordneten an den Plänen festzuhalten. Am 16.Dezember sollen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung bereits die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden.
Sehen Sie den Bericht auf Hessenschau.de: Kritik an Pfungstädter Großprojekten

Außerdem findet man einen ausführlichen Bericht über die Umsiedelungspläne im heutigen Darmstädter Echo: Millionen Betrag von Investor gefordert


Die Welt blickt nach Pfungstadt?


Echt jetzt? Nein, das ist kein Scherz! 
geplanter Brauereineubau
Wer an der Selbstüberhöhung bzw. Selbstüberschätzung von Bürgermeister Koch teilhaben mag, sollte die Pressemeldung des Bürgermeisters zum Thema Brauerei und anderer besonders fortschrittlicher Projekte in Pfungstadt lesen: Die Welt blickt nach Pfungstadt

Im übrigen hat das DE gerade einen Artikel 
veröffentlicht, in dem die Zuverlässigkeit des Investors Uwe Dieter Krück bezweifelt wird. Pfungstädter Brauerei: Wie zuverlässig ist der Investor
Irgendwie fühlt man sich fatal an das nächste Vorzeigeprojekt von Bürgermeister Koch, dem Haifischaquarium Shark-City erinnert. Hier haben die Investoren als "Referenz" in ihren vorherigen Firmen über Jahre nur Millionenverluste erwirtschaftet. 
Das größte Haifischbecken, die modernste Brauerei. Ohne Superlativen scheint es bei Bürgermeister Koch nicht zu gehen. 
Ich persönlich sehen den tollsten Bürgermeister auf dem Weg in den Bundestag oder zumindest in den Landtag. Es sei denn die Wähler (und die SPD) müssen feststellen, dass die hochtrabenden Pläne doch nicht ganz so toll und alternativlos sind.

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Tausche Brauerei gegen Schwimmbad

Wie war das noch mit der Prioritätenlisten zum Hessentag?

Das Schwimmbad stand bei der Wunschliste der durch den Hessentag zu finanzierenden Projekte auf Platz 5. Weit oben also.
Und es ist erst wenige Wochen her, dass den BürgerInnen ein Schwimmbadneubau als Einstiegsdroge für die Bewerbung zum Hessentag verkauft wurde.
Zu glauben, dass die Pläne zum Neubau der Brauerei auf dem Schwimmbadgelände ganz plötzlich und unvorhergesehen vom Himmel gefallen sind, ist naiv.
Solche Verhandlungen, aus denen nun bereits ganz konkrete Pläne geworden sind, haben eine beträchtliche Vorlaufzeit. Auch wird ein Ersatzgelände nicht ohne Absicht und ohne reifliche Überlegung zum Tausch angeboten. Bürgermeister Koch muss bewusst gewesen sein, dass er damit die existierenden Pläne zum Bau eines neuen Schwimmbades zur Posse macht.
Wie heißt es so schön? „Leider dumm gelaufen“. Lange Diskussionen, hoher Einsatz und Engagement bei den Ehrenamtlichen, welche die Planung voran getrieben haben. Alles für die Katz.
So sinnvoll die Verlagerung der Brauerei aus der Stadtmitte auch sein mag und so wünschenswert ein innovatives und ökologisches Wohnquartier für Pfungstadt ist, die Überrumpelungstaktik des Verwaltungschefs ist abzulehnen.
Haifischbecken, Hessentag, Brauereiverlagerung. In allen Punkten werden bzw. wurden die Stadtverordneten und mit ihnen die BürgerInnen quasi vor vollendete Tatsachen gestellt und die Projekte als „alternativlos“ für Pfungstadt angepriesen.
Bleibt zu hoffen, dass es Bürgermeister Koch diesmal bei der Abplanung des Schwimmbades nicht ganz so leicht gemacht wird.

Versiegelte Vorgärten schaden Klima und Natur

Bienenwiese - Fehlanzeige
Ob Schotter, Kies oder Verbundsteinpflaster, die Versiegelung von Vorgärten hat gerade Hochkultur. Nur kein Unkraut, kein fallendes Laub, keine unnütze Arbeit, denken sich viele Hausbesitzer.
Wo das Regenwasser versickern soll und wo Insekten und Vögel Nahrung finden, das wird dabei leider nicht bedacht.
In einem Antrag der Freien Grünen Liste (FGL) zur letzten Stadtverordnetenversammlung wurde gefordert, die Verwaltung solle an die Bürger appellieren ihre Vorgärten so zu gestalten, dass mindestens 50% der Fläche begrünt werden. Bei neuen Bauvorhaben soll in Zukunft eine 50%ige Begrünung vorgeschrieben werden.
SPD und CDU, die gerade noch für eine Klimaoffensive gestimmt hatten, lehnt den Antrag in seiner vorliegenden Form ab, der aber schließlich doch noch in den zuständigen Ausschuss überwiesen wurde.
Bleibt zu hoffen, dass die "Klimaoffensive" für SPD und CDU mehr ist als nur eine Worthülse und das Parlament nach Beratung im Ausschuss dem Antrag der FGL zu stimmt.

Erfreuliche Entwicklung beim Klimaschutz

In der Stadtverordnetenversammlung am 18.11.2019 wurde eine von allen Fraktionen getragene Initiative zum Klimaschutz in Pfungstadt verabschiedet.
Nähere Einzelheiten im Bericht des DE: Pfungstadt geht in die Klimaoffensive
Joachim Pfeiffer (Freie Grüne Liste) wurde in der 1. Sitzung des Klimaauschusses am 06.11.2019 zum Vorsitzenden gewählt. Zum stellvertretenden Ausschussvorsitzenden wurde Holger Rädge  (Freie Wähler) gewählt. 

SPD macht nun in Klimaschutz

Mit dem gerade vorgelegten Impulspapier "Klimaschutz" befindet sich die SPD durchaus auf dem richtigen Weg und man kann hoffen, dass sich für Pfungstadt in Zukunft einiges zum Besseren wenden wird.
Aber zum eine ist der Klimaschutz nicht plötzlich vom Himmel gefallen und zum anderen muss die SPD nun zeigen, ob sie auch die Kraft hat, bereits getroffene klimaschädliche Entscheidungen zu korrigieren.
Große Worte und Impulspapiere helfen dem Klima nicht weiter, wenn trotz aller berechtigten Einwände (Energie- und Wasserverschwendung, hohe Verkehrsbelastung) an einem Projekt wie "Shark City" festgehalten wird. Am Beispiel des von der SPD bislang mit Zähnen und Klauen verteidigten Haifischaquariums wird man sehen, wie ernst man den Klimaschutz in der SPD tatsächlich nimmt. 
Der zweite große Traum der SPD in Pfungstadt ist der von der "Klimaneutralität" des geplanten Hessentages. Wer aber glaubt mit der Pflanzung von einigen Bäumen die Belastungen "wegwischen" zu können, vergisst völlig, dass die Wälder um Pfungstadt großflächig absterben und Wiederaufforstung mit oder ohne Hessentag überlebenswichtig ist.

An diesen exemplarischen Punkten (Shark City und Hessentag) wird sich zeigen, ob  Steuereinnahmen und Wachstumsfantasien weiterhin wichtiger sind als ökologische Bedenken. Wenn ja, dann werden sich die Bürgerinnen und Bürger Pfungstadts nur schwerlich für das Mitmachen beim Schutz des Klimas aktivieren lassen.

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Weg mit dem Schlauchturm am E-Werk

(Bild G. Hoffmann)
Man kann über den Vorschlag der Kulturkommission zum winterfesten Ausbau der Halle des ehemaligen E-Werkes, sicherlich geteilter Meinung sein. 
Lesen Sie dazu auch den Bericht im DE: "Denkmal soll Pfungstadts kultureller Mittelpunkt sein"
Fotokunst und Wirklichkeit
Über die Aufwertung des unorganisch an die Halle angebauten Schlauchturmes zum neuen Wahrzeichen Pfungstadts, kann es aber eigentlich nur eine Meinung geben. 
Der Turm ist eine Bausünde, stört das Ensemble der aufwendig renovierten Gebäude und gehört deshalb entfernt.
Den Turm gar zu einem der Wahrzeichen Pfungstadts machen zu wollen, ist eine ziemlich absurde Idee, zumal sich eines der Wahrzeichen Pfungstadts, der Turm der evangelischen Kirche, in unmittelbarer Nähe befindet.
Der Fotograf des Bildes, Gerald Hoffmann, schreibt dazu: 
"Das neue Wahrzeichen Pfungstadts, wenn es nach den Vorstellungen des Stadtrates Gregory Knop geht. Eine abstruse Vorstellung. Pfungstadt braucht keinen Hessentag, aber mehr Geschmack und baufachliche Kompetenz."

Radweg muss warten

Wie das Darmstädter Echo heute berichtet (DE Bericht vom 01.10.20129) soll der Feldweg zwischen Rheinstraße und Eschollbrücker Str. zunächst nicht zum Radweg ausgebaut werden, denn das Regionale Entwicklungskonzept des RP Darmstadt sieht nun in dem Bereich östlich der neuen Westumgehung ein Gewerbegebiet vor.
In der Stadtverordnetenversammlung will man jetzt beraten, ob der Weg behelfsmäßig (Kiesdecke) ausgebaut werden soll. 
Besser wäre es gewesen, von Anfang an entlang der neuen Umgehungstraße einen Radweg anzulegen. Das hätte letztlich Kosten gespart und teuere Zwischenlösungen unnötig gemacht. 
Es wird aber Zeit, dass die Stadt Pfungstadt endlich ein eigenständiges Radwegekonzept entwickelt, welches die innerörtlichen Bedürfnissen ebenso im Blick hat, wie die Anbindung an die übrigen Kommunen des Landkreises und an die Stadt Darmstadt.
Dass die innerörtliche Sicherheit des Radverkehrs dringend erhöht werden muss, zeigt die Untersuchung der Radunfälle der Jahre 2013-2015, die durch den Landkreis durchgeführt wurde. Nahzu alle Unfälle mit Beteiligung von RadfahrerInnen haben sich innerhalb der Ortsgrenzen ereignet.
Wie gefährlich es für Radfahrer in Pfungstadt auf den Durchgangsstraßen ist, kann man tagtäglich als Radfahrer aus eigener Anschauung erleben. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!!


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Der kurze Weg vom Vorkämpfer zum Bedenkenträger

Wenn man dem Darmstädter Echo glauben darf (Bericht vom 25.09.2019), dann hat Bürgermeister Koch erhebliche Bedenken, was den Neubau und den Betrieb des geplanten Schwimmbades angeht. Nicht nur die möglichen Fallstricke des EU-Rechtes müssen nun plötzlich hinterfragt werden. Auch die Abrisskosten und die Finanzierung des städtischen Zuschusses bereiten dem frisch gewählten Bürgermeister Bauchschmerzen. 
Bis zu seiner Wahl hatte Koch den engagierten Vorkämpfer für den Neubau des Bades gegeben. Selbst der Hessentag war ihm als schräges Argument für den Bau nicht zu schade.
Warum nun plötzlich diese Wende? Hatten Koch, und mit ihm die Verwaltung,  vor der Wahl einfach nicht genug nachgedacht? Oder im Stress des Wahlkampfes gar die Übersicht darüber verloren, was das EU-Recht vorschreibt? Die notwendigen Zuschüsse der Stadt, sowie die Finanzierung des Abrisses, im Rauch des Wahlkampfes aus dem Blick verloren?

Man darf nun gespannt sein, welche Fraktionen im Stadtparlament dem Bürgermeister bei seinem Schlingerkurs den Rücken stärken und damit einen weiteren Beitrag zur Politikverdrossenheit leisten.

Pfungstadt eröffnet die Westumgehung

Aber Fahrradwege? Fehlanzeige!!

Kreisel an der Rheinstraße
Am 26. November 2019 soll der 2. Bauabschnitt der Westumgehung Pfungstadt eröffnet werden.
Nach einem separaten Radweg wird man, ebenso wie beim 1. Bauabschnitt, leider vergeblich suchen.
Was soll´s, dass alle Welt über eine notwendige Förderung des Rades als umweltfreundliches Verkehrsmittel spricht. In Pfungstadt ist der Ruf nach einer Verkehrswende und einem damit verbundenen Ausbau des Radwegenetzes leider nicht angekommen. Zu teuer und schließlich könne der Radfahrer ja auch, die (im Winter stark verschmutzen) Wirtschaftswege der Landwirte benutzen, heißt es.
Ein echtes Trauerspiel Pfungstädter Verkehrspolitik, wo man sich wohl lieber mit Planungen zur Lenkung der zu erwartenden Verkehrsströme und Automassen, die zum Hessentag 2023 erwartet werden, beschäftigt.


Kommentar zur Stadtverordneten Versammlung vom 26.08.2019

Pfungstadt erklärt den Klimanotstand“
Bravo und nochmals Bravo zur Absicht in Pfungstadt den Klimanotstand auszurufen.
Da müssten doch (fast) alle Stadtverordneten zustimmen können, meint man. Sind doch die Zeichen des Klimawandels landesweit und ganz besonders bei uns im Hessischen Ried unübersehbar.
Aber so einfach ist es in Pfungstadt dann doch nicht.
Nach einer inhaltlich guten und engagierten Rede des Stadtverordneten Joachim Pfeiffer (FGL), in der dieser die Notwendigkeit sofort zu handeln begründete, wurde der Antrag jedoch ohne weitere Diskussion in die Ausschüsse verwiesen. Auf die in seiner Rede noch angekündigten namentlichen Abstimmung des Antrages hat Joachim Pfeiffer dann leider verzichtet. Was seine Beweggründe für den Verzicht waren,  ist letztlich egal. Für den Antrag, in dem u.a. gefordert wird „Der Magistrat wird beauftragt sofort die Auswirkungen jeglicher Entscheidungen auf das Klima zu bewerten und bei der Umsetzung von Maßnahmen das Ziel der Klimaneutralität zu berücksichtigen“ war es eine Beerdigung 1. Klasse.
Wie auch hätten die Stadtverordneten , die sich wild entschlossen zeigen klimaschädliche Projekte wie das „Haifischbecken“ und den „Hessentag 2023“ gegen alle ökologische Vernunft durchzusetzen, einer solchen Vorlage zustimmen sollen. Selbst die Antragsteller der FGL lassen sich nicht von diesen Projekten abbringen, deren Klimabilanz verheerend ist. Und selbst wenn man sich gegenüber dem Hessentag kritisch gibt, dann nicht etwa aus ökologischen Gründen. Nein, die zu erwartende finanzielle Belastung für die Stadt und ihre Bürger spielt bei der Hinterfragung des Vorhabens die wesentliche Rolle. Die immense Verkehrsbelastung und die notwendige Schaffung von über 20.000 Parkplätzen, die meisten davon auf Ackerflächen (deren Mutterboden abgehoben werden muss), redet man sich bewusst schön. Durch Ausgleichsmaßnahmen könne Klimaneutralität gewährleitstet werden und außerdem dürfe man nicht vergessen, dass der Hessentag ansonsten anderswo stattfinden würde.

Niemand im Stadtparlament ist gewillt zu hinterfragen, ob die so lange gehätschelte Idee des Hessentages und die Art ihrer Umsetzung, heute noch  zeitgemäß ist. Nein, Augen zu und durch, ist die Devise.
Aber zurück zur Frage des Klimanotstandes:
Über die beiden zuvor angesprochenen Punkte hinaus, gibt es in Pfungstadt genügend zu tun. So verlangen der sterbende Pfungstädter Wald, das von der Austrocknung bedrohte Naturschutzgebiet „Pfungstädter Moor“, neue Umgehungsstraßen ohne Radwege und, und, und, ein schnelles und konsequentes Handeln im Sinne des für uns alle wichtigen Klimaschutzes.

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Kommentare

  1. Hallo Ali.
    In einigen, aber nicht in allen Punkten gehe ich mit Dir konform und unterstütze das auch. Leider aber vermisse ich, wie so häufig bei den "hell" und "dunkel" Grünen, die klare Nennung von Alternativen. Der Status, der sich mir zeigt, ist vergleichbar demjenigen, den wir in den Ende 60er Jahren eingenommen und propagiert haben. Wir haben Forderungen gestellt, ohne die Auswirkungen auch nur diskutiert zu haben. Man musste sie nicht kennen; wir waren ja noch Schüler oder junge Studenten. Von daher verstehe ich das Ansinnen der "Greta-Bewegung" gut und halte mich mit negativen Kritiken zurück.

    Leider aber ist es auch so, dass die Erwachsenen, also die, die genug Lebenserfahrung haben, ebenfalls unreflektierte Forderungen aufstellen. Ich lese/höre von Einschränkungen/Verboten des individuellen Autoverkehrs und bei dieser Gelegenheit wird einem die Zahl der Verkehrstoten entgegen gehalten. So ungefähr 3.500 Menschen pro Jahr. Das ist traurig, jedoch nur etwa ein sechstel der Höchstmarke bei mehr als doppeltem Verkehrsaufkommen. Unterschlagen allerdings wird, dass die tödlich im Haushalt verletzten Personen bei einer mehr als doppelt so hohen Zahl, nämlich bei über 8.000 p.a. liegt. Müssen wir deshalb jetzt Haushaltsleitern, Elektroherde, Treppen überhaupt und auch Bohrmaschine, Hammer und sonstiges Werkzeug verbieten? Zugegebenermaßen ist das ein Vergleich, der mit Umwelt erst mal nichts zu tun hat; zeigt aber auch, dass das Manipulieren und Aufbauschen von Zahlen nicht der geeignete Weg ist, Freunde zu gewinnen.

    Ich würde gerne realitätsnahe und auch umsetzbare Standpunkte und Forderungen von den Grünen hören und lesen. Das würde sie in meinen Augen wählbar machen. So, lieber Ali, sehe ich die Grünen als Partei, die jedem Hype hinterherläuft und selbst nicht durch eigenes Vorbild glänzt. An meiner Meinung zu den Grünen hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht viel geändert. Ich halte sie für die "gelben" (FDP) in grüner Verkleidung. Immerhin ist der "typische" Grüne aus der selben Ecke wie der typische "Gelbe". Gebildet, meist mit Abitur und Studium, Selbständig oder in verantwortlicher Führungsposition, Eigenheimbesitzer.

    Ich habe jetzt viel geschrieben. Auch in der Hoffnung, die Grünen auf dem Boden der Tatsachen (natürlich auch mit Visionen für eine bessere Welt) zu sehen.

    Liebe Grüße
    Greg

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  2. Hallo Greg,
    ich danke dir für deine Kritik, die ich gut nachvollziehen kann.
    Vielleicht hast du aber bemerkt, dass ich mich bei den Grünen längst nicht mehr im Mainstream bewege und weitaus radikaler bin, als die Partei mit ihren, durch die Niederungen der Realpolitik, weichgespülten Funktionsträgern.
    Ich sehe es nicht so, dass man für jedes Problem auch die Lösung aufzeigen muss, aber ich glaube auch nicht, dass Verbote in jedem Bereich eine besonders innovative Lösung sind.
    Mir geht es darum die berechtigten und notwendigerweise radikalen Forderung einer neuen Jugendbewegung zu unterstützen.
    Die Politik (egal welcher Couleur) hat über die letzten Jahrzehnte viele Mühen darauf verwendet, sich nicht mit dem Offensichtlichen (dem heraufziehenden Klimawandel und, und und) auseinanderzusetzen. Kein Wunder, dass die Jugend nun die gleiche Kreativität bei den Problemlösungen einfordert, welche die Politiker bei ihren bisherigen Versuchen die Probleme kleinzureden, bewiesen haben.
    Dazu darf und muss "Fridays for Future" sagen, was nicht mehr sein darf, damit dieser Planet bewohnbar bleibt.
    Das hat nun nichts mehr mit Rot/Grüne/Schwarz oder Gelb zu tun. Diese alten Denkmuster muss sich eine Jugend, die noch eine Perspektive haben möchte, nicht mehr antun.
    Und ich will es im Sinne meiner Enkel auch nicht mehr.
    Gruß Ali

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    1. Lieber Ali.

      Auch hier haben wir Gemeinsamkeiten. Natürlich weiß ich, dass die Grünen von heute nicht die Grünen von damals sind und natürlich geht es mir ähnlich Dir; ich habe für vieles kein Verständnis, treiben wir doch dorthin zurück wo wir mit Anstrengungen und gegen Wasserwerfer und ähnlichem hergekommen sind.

      Manchmal „Fremdschäme“ ich mich und kann nicht glauben, dass wir insgesamt genauso reaktionär wie diejenigen geworden sind, gegen die wir uns einstmals aufgelehnt haben und aus denen letztlich die Grünen entstanden sind. Von daher habe ich durchaus Verständnis und Unterstützung für „Greta“.

      Aber es ist nicht nur der Klimawandel, es ist nicht nur die Umwelt. Auch das soziale Gewissen scheint den Bach herunterzugehen. Das Verständnis der Politik für die Lasten und Nöte der Bevölkerung ist beinahe vollständig abhanden gekommen. Menschen, die sich hier über Jahrzehnte den Buckel krumm gearbeitet haben und jetzt ihre verdiente Anerkennung erwarten, werden ausgegrenzt oder billig abgespeist. Andere, die nichts oder kaum etwas für die Gesellschaft getan haben, werden hofiert und geschützt. Das kannst Du „Otto Normal“ nicht vermitteln und ehrlich gesagt, man sollte auch den Versuch dazu nicht unternehmen, da alles nur in einer Art Märchenstunde endet und die Menschen sich gänzlich verarscht vorkommen (müssen).

      Dazu haben nicht nur die CDU/CSU beigetragen, auch die SPD und die Grünen haben sich nicht mit Lorbeeren behängt. Von daher ist es für mich ein Wunder, dass der einzige wirkliche Verlierer die SPD ist und die Grünen die Gewinner sind. Allerdings muss ich für mich feststellen, dass die Grünen bisher noch nicht wirk-lich gefordert wurden und sich auch noch nicht mit den Problemfeldern außerhalb der Klima-, Landschafts-, Energie- und Umweltpolitik einen Namen gemacht haben. Es gab mal einen erfolgreichen Außenminister der Grünen. Die restlichen Grünen Minister kann man getrost vergessen.

      Ich bin fest davon überzeugt, dass es mehr offene Ohren für die Jugend und die Demos gibt wenn auch die Probleme der älteren Generationen berücksichtigt werden und gerade die Politik sich auch in gleicher Weise und mit gleichem Aufwand den Älteren zuwendet wie sie es jetzt gerade mit „Greta“ macht. Immerhin machen die Senioren beinahe 40% der Bevölkerung aus und die wollen nicht nur Stimmvieh sein und die wollen auch nicht hören, dass sie die Umwelt verschandelt hätten.

      Ergo lassen wir „Greta“ laufen und versuchen selbst vielseitig in der Politik zu sein. Und der Jugend gucken wir auf die Finger und passen auf, dass sie nicht Wasser predigt und Wein trinkt.

      LG Greg

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    2. Hallo Greg,
      ich sehe mich nicht in der Rolle die Politik der Grünen verteidigen zu müssen oder zu wollen. Du bist ein eigenständiger Kopf und sagst was du denkst, ohne dich um Parteiorder zu scheren. Ich halt es ganz genauso.
      Mir ist sehr bewusst, dass die "Älteren" ihre Probleme ernst genommen wissen wollen. Aber momentan geht es nicht um die soziale Frage und auch nicht um die Befindlichkeiten der Alten, sondern darum, ob kommende Generationen weiterhin auf diesem Planeten (gut) leben können. Und zwar so, dass ihr Dasein nicht durch Verteilungskämpfe bestimmt wird, die durch einen Klimawandel ausgelöst werden.
      Was die Jugend angeht, bin ich ganz optimistisch. Da müssen nicht wir aufpassen, ob sie Wasser predigen und Wein trinken. Darauf wird diese Generation notgedrungen schon selbst aufpassen, denn auch sie hat keinen Planeten B zur Verfügung.
      Dass es diesen Planeten B nicht gibt, haben viele der Älteren leider nicht wahr haben wollen. Das hat absolut nix mit Umwelt verschandeln zu tun, sondern liegt an unserer bisherigen Art zu Leben und zu Wirtschaften, die jedes Maß verloren hat.

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